10 Jahre Ortsbeirat in Altwied (2001-2011)

 

 

 

 

Bei der ersten Ortsbeiratswahl überhaupt im Juni 2001 gab es in Altwied keine Liste für den Ortsbeirat und keinen Kandidaten für das Amt des Ortsvorstehers. Gemäß dem Kommunalwahlgesetz wurde darum für die Zusammensetzung des Ortsbeirats auf weißen Zetteln abgestimmt, während eine Direktwahl eines Ortsvorstehers entfiel. Begünstigt durch die damals ablehnende Haltung der SPD gegenüber den Ortsbeiräten belegten neben Manfred Strödter (SPD) mit Dietrich Rühle, Eckhard Pusch und Klaus Schilling Mitglieder der FDP die ersten 3 Plätze des 4köpfigen Ortsbeirates. Strödter nahm die Wahl allerdings nicht an. Für ihn rückte der Heimatvereinsvorsitzende Klaus Georg nach.

 

Bei seiner ersten Sitzung im September 2001 musste der Ortsbeirat dann einen Ortsvorsteher wählen. Man einigte sich auf Dietrich G. Rühle (FDP), weil der bei der Ortsbeiratswahl deutlich die meisten Personenstimmen erhalten hatte. Den dadurch frei gewordenen Sitz im Ortsbeirat belegte im Nachrückverfahren Hans-Georg-Jansen. Der erste Altwieder Ortsbeirat bestand somit aus Dietrich Rühle (FDP, Ortsv.), Eckhard Pusch (FDP, stv. Ortsv.), Klaus Schilling (FDP), Klaus Georg (parteilos), Hans-Georg Jansen (parteilos).

 

Das erste größere Projekt, das auf den Ortsbeirat Altwied zukam, war die Sanierung der L 255 durch die sog. "Au" in Altwied ("Im Wiedtal"). Die Bürger litten darunter, dass der schlechte Straßenbelag zu erheblichen Beeinträchtigungen der Anwohner führte. Hier engagierte sich der Ortsbeirat neben anderen Personen der Politik für eine akzeptable Lösung. Nach vielen Besprechungen, Protesten, Eingaben und Verhandlungen mit immer wieder neuen Gestaltungsvorschlägen kam man schließlich mit Landesbetrieb Mobilität und Stadt zu einem Ergebnis, das die Bevölkerung akzeptieren konnte.

In diese Zeit fiel auch der Bau einer Aussegnungshalle auf dem Altwieder Friedhof. Hier waren zwar schon viele Entscheidungen vor der Existenz der Ortsbeiräte getroffen worden, aber die Ortsvertretung wirkte noch bei vielen Einzelentscheidungen mit.
Sehr kontrovers diskutiert wurde die erwogene Ausweisung eines neuen Baugebietes am oberen Kümmelberg im Rahmen der Neufassung des Flächennutzungsplanes. Während einige Altwieder eher die Möglichkeit neuer Baugrundstücke sahen, befürchteten die Kümmelberger eine Wiederholung früherer Erdrutsche unmittelbar neben dem avisierten neuen Baugebiet. Das Problem bestand darin, dass in diesem Bereich umgekehrt liegenden Erdschichten dazu führen, dass diese nicht stabil aufeinander liegen und somit Hangrutsche möglich sind, wie schon 20 Jahre vorher in massiver Weise geschehen. Kaum lösbar wäre auch das Problem der Zufahrt für ein so großes Baugebiet sowie die Oberflächenwasserentsorgung gewesen. Schließlich hielten auch die Gutachter der Stadt und der SBN diese Planung nicht mehr für verantwortbar. Das Baugebiet wurde nicht ausgewiesen.
 

Bei der Kommunalwahl 2004 trat Rühle ohne Gegenkandidaten erfolgreich für die Direktwahl des Ortsvorstehers an (74,6 %). Begünstigt durch die noch anhaltende Abstinenz der SPD entstand die politisch kuriose Situation, dass alle 4 Sitze des Ortsbeirats von Liberalen gewonnen wurden. Da Rühle als Ortsvorsteher wieder einen Ortsbeiratssitz freimachte, rückte Hans-Erich Strubel nach. 2006 machte Klaus Schilling (gestorben August 2011) aus gesundheitlichen Gründen den Platz frei für Heinrich Weckmüller. Der Ortsbeirat bestand nun aus Dietrich Rühle (FDP, Ortsv.), Eckhard Pusch (FDP, stv. Ortsv.) , Klaus Schilling (FDP, bis 2006) , Ulrich Nagel (FDP), Hans-Erich Strubel (parteilos); ab 2006 Heinrich Weckmüller (parteilos). Neben Gladbach und Heimbach-Weis war Altwied nun der 3. Ortsteil, dessen Ortsvorsteher in den Stadtrat einzog, womit Altwied seit vielen Jahren erstmals auch wieder im Stadtrat vertreten war.

 

Der absolute Höhepunkt dieser Wahlperiode war in Altwied die Teilnahme am Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" (Hauptgruppe). 2006 entschied sich der Ortsteil für die Teilnahme. In der Folgezeit wurden Bürgerversammlungen abgehalten und es tagte regelmäßig eine Projektgruppe, in der sich viele Altwieder einbrachten und die Altwied für den Wettbewerb vorbereitete. 2008 ging es dann Schlag auf Schlag: 1. Platz im Kreiswettbewerb, 2. Platz im mittelrheinischen Gebietsentscheid und 7. Platz im Landeswettbewerb. Bei jeder der drei Besichtigungen durch die Bewertungskommissionen waren rund 70 Altwieder auf der Straße. Es war die größte gemeinsame Altwieder Aktion seit über 30 Jahren.

 

In diese Zeit fällt auch die Wiedererrichtung des Wartehäuschens an der Bushaltestelle Melsbacher Straße sowie die anfangs nicht unumstrittene bauliche Veränderung des Bürgerhauses, um größere Veranstaltungen zu ermöglichen. Ein besonderes Anliegen ist dem Ortsbeirat auch die Sanierung des Naturschutzgebietes "Auf der Hardt". Hier profitiert Altwied von der ganz besonderen Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde bei der Kreisverwaltung. Inzwischen ist hier durch Pflegemaßnehmen ein Naturjuwel entstanden.

 

Bei der Kommunalwahl 2009 kam es erstmals in Altwied zu einer Wahl mit zwei Kandidaten für die Funktion des Ortsvorstehers. Letztlich setzte sich der Amtsinhaber Rühle (FDP, 70,9 %) gegen Herausforderer Wolfgang Herbst (FWG, 29,1 %) durch. Eine Besonderheit und Novum für ganz Neuwied war die gemeinsame Liste für den Ortsbeirat, die Ortsvorsteher Rühle zusammen mit der Altwieder SPD initiierte.

 

Hintergrund war der Gedanke, dass ein Ortsbeirat möglichst viele Gruppierungen vertreten sollte und ein möglicherweise durch SPD oder FDP dominierter Ortsbeirat nicht ausreichend deutlich macht, dass es im Ortsbeirat nicht um Parteipolitik, sondern um die Interessen des Ortes geht. Bedauerlicherweise war gerade das Wahlrecht dahin geändert worden war, dass die für die Plätze 5 und 6 vorgesehenen Kandidaten (Alexander Strödter und Uwe Schellhaas) nicht mehr auf dem Wahlzettel aufgeführt werden durften, was bei der Erstellung der Liste keinem klar war. Gegen diese Liste kandidierte die Liste der FWG, so dass es erstmals auch die Wahl zwischen zwei Listen gab. Das alles führte dazu, dass heute der Ortsbeirat ausgewogen aus Mitgliedern der SPD, FDP, FWG und einem Unabhängigen besteht. Neben dem Ortsvorsteher gehören ihm nun Hans- Erich Strubel (parteilos, stv. Ortsv.), Wolfgang Herbst (FWG), Silke Kenter (FDP) und Frank Weißbarth (SPD) an.

 

Im April 2010 regte Rühle bei seinen Ortsvorsteherkollegen die Regelmäßigkeit von Abstimmungstreffen der Ortsvorsteher an und begann den Zyklus auch gleich in Altwied. So können die Erfahrungen aus dem einen Ortsteil an andere Weitergegeben werden.

 

Derzeit bewegen den Ortsbeirat die Sanierung der historischen Wiedbrücke und des Wiedufers. Der Ortsbeirat arbeitet auch Hand in Hand mit der Projektgruppe (der der jeweilige Ortsvorsteher vorsitzt), die Altwied mit seinen bescheidenen finanziellen und personellen Möglichkeiten für einen neuen Gang im Dorfwettbewerb 2013, diesmal in der Sondergruppe, fit machen soll. Gemeinsam hat man z. B. die Wiedbiegung ("Blächplatz") aufgewertet und das historische Dorf mit Schildern versehen, die Auskunft über die Geschichte einzelner baulicher Anlagen geben. Daneben gibt es einige Einzelinitiativen, wie den Mundartstammtisch oder das „Burgecho“. Weitere Projekte sind in der Planung. Man ist aber bescheiden, was die Erfolgsaussichten für den Wettbewerb 2013 betrifft, denn es wird noch schwerer als 2008. Aber auch 2008 hatte man nicht mit einem Erfolg gerechnet ...