Wenn du ein rechtes Bild gewinnen willst, wie es einstmals war, darfst du nicht den jetzigen Aufgang zur Ruine wählen, der gleich rechts vor dem Tore über den Burgmantel hinaufführt. Der wurde erst später angelegt, und der Durchbruch durch den Bergfried (eigentlich war es ein Palas) ist erst 150 Jahre alt. Wer wäre auch früher so unklug gewesen, hier, an der meistbedrohten Stelle, die Wehrkraft der Burg zu schwächen und dem Feinde leichten Aufgang zu gewähren!
Nein, zur Burg führte ein schwieriger Weg. Sieh dir das kleine Kärtchen an! Wenn es bei seiner Kleinheit auch nicht jeden Mauerzug festhalten kann, so siehts du doch, daß der Bergfried, drei Tore und zwei feste Türme den Zugang zum "Burgflecken Wied" kraftvoll schirmten. Der Burgflecken selbst war durch 7-8 Meter hohe Mauern abgeriegelt.
Das vordere der drei Tore steht heute noch. Es ist ein kümmerlicher Rest der ursprünglichen Toranlage. Der Trockengraben ist zugeschüttet, die Zugbrücke verschwunden. Von innen erkennst du noch die Kettenscharten und die Mauerverdickung zur Auflage für die Haspelbühne. Drei hintereinanderliegende Tore bildeten eine Sackgasse, deren rechte Schirmmauer noch steht; die linke; vor etwa 50 Jahren abgebrochen, mußt du dir hinzudenken. Sie verband die Tore mit der hohen Stirnmauer und den Türmen, die bis heute (auf dem Schulhof) erhalten blieben.
Ein Gang durch die Burg Altwied
(Auszug aus "Geschichte auf heimatlicher Grundlage für den Kreis Neuwied",
Heft II, 1957)
Von Rittern und edlen Frauen, trutzigen Knechte und wehrhaften Mauern hast du schon an anderer Stelle gelesen. Da träumt man sich hinein in die vergangene Zeiten mit Glanz und frohen Festen, aber auch mit so vielem Streit und unsäglichem Leid. Träume nur, wandre nach Altwied mit seinen efeuüberrankten Mauern! Sie schauten all das, wovon du so gerne träumst.
Heft II, 1957)
Von Rittern und edlen Frauen, trutzigen Knechte und wehrhaften Mauern hast du schon an anderer Stelle gelesen. Da träumt man sich hinein in die vergangene Zeiten mit Glanz und frohen Festen, aber auch mit so vielem Streit und unsäglichem Leid. Träume nur, wandre nach Altwied mit seinen efeuüberrankten Mauern! Sie schauten all das, wovon du so gerne träumst.
Nun biegen wir rechts ab und wandern ein enges, steiles Gäßchen hinan. Schloßweg heißt's heute noch. Bald hast du rechter Hand hohe Burgmauern. Geradeaus stößt du auf überwucherte Mauerreste: das erste Burgtor. Sicher hatte es ehedem Graben und Zugbrücke. Wollte ein Angreifer dieses Tor berennen, dann hatte er gegen die Geschosse und Wurfsteine, die von der rechten Außenmauer der Burg auf ihn herniederhagelten, keine Deckung, da er ja die Schildseite von der Burg abwandte. Und wollte er den Schild zur Deckung benutzen, mußte er dem Tor den Rücken zukehren. Diese Wegführung findet man bei allen Felsenburgen.
Im Weiterschreiten erreichen wir einen stark verwachsenen Teil der Ruine, die Vorburg. In ihrem Schutze standen Ställe, Scheunen und Wohnungen der Knechte, Mägde und Handwerker. Ganz am äußersten Ende - auf der Karte ganz links - lag der "Hundshoff". Da waren das Gebäude für die Jägerei und die Zwinger der Jagdmeute. Damit das Gekläff der Hunde die Herren nicht störte, hatte man die Zwinger ans äußerste Ende der Burg verlegt.
Durch eine hohe Sperrmauer führt ein Torbogen in die "Untere Burg". Das Torhaus ist verfallen, ein Teil des angrenzenden Mauerturms steht noch. Solche Torhäuser waren zwar nach außen stark gebaut, auf der Innenseite dagegen wurden ihre Wände häufig mit Fachwerk aufgeführt. Das hatte seinen guten Grund! War ein solches Tor vom Feind genommen, dann beschoß man es von höher gelegenen Burgtürmen mit Brandpfeilen, damit es in Flammen aufgehe und die in ihm lagernden Waffen, Pech und Schwefel (später auch Pulver) nicht den Stürmenden in die Hände fielen. Zudem wurde der Angriff durch die Brandhitze und die noch lange schwelenden Trümmer für einige Tage sehr erschwert, wenn nicht an dieser Stelle ganz unmöglich gemacht. In der unteren Burg war das Gärtchen. Hier zog man Heil- und Würzpflanzen unter der Aufsicht der Burgherrin. Denn das mußt du wissen, Ärzte und Apotheker und fertige Arzneien gab's vor 500 Jahren nicht auf einer Burg. Der Burgarzt war die Edelfrau und vielleicht auch der Burgkaplan. Sie verstanden es, aus getrockneten Kräutern lindernde Tränke und schmerzstillende Auflagen herzustellen, aus Hirschtalg, Biberfett und toniger Erde heilsame Salben und Wickel zu bereiten.
Von der unteren Burg führt ein Gang nordwärts durch den Burgfelsen hinunter zum Bach. Er wird im Volksmund als unterirdischer Gang bezeichnet, war in Wirklichkeit aber ein riesiger Steinbruch, der sich teif im Felsen viele Meter hoch und weit wölbte.
Von der unteren führt ein schmaler, beiderseits von hohen Mauern eingefaßter Weg zur oberen Burg. Drei Tore, von denen die beiden obersten noch erhalten sind, sperrten früher diesen Zugang. Ehemals war er vollständig überdeckt, so daß man durch einen langen, schmalen, nahezu dunklen Gang zum letzten Tor gelangte. Dieses war zusätzlich durch Fallgatter und Pechnase gesichert. Wie schwer, ja wie aussichtslos wäre hier ein Angriff gewesen! In nahezu völliger Dunkelheit, von beiden Seiten und von oben durch die Verteidiger hart bedrängt, gab es nur unter größten, blutigen Verlusten ein Vorwärtskommen. Überdeckte Torgänge wie diesen findet man bei vielen Städten und Burgen.
Im Weiterschreiten erreichen wir einen stark verwachsenen Teil der Ruine, die Vorburg. In ihrem Schutze standen Ställe, Scheunen und Wohnungen der Knechte, Mägde und Handwerker. Ganz am äußersten Ende - auf der Karte ganz links - lag der "Hundshoff". Da waren das Gebäude für die Jägerei und die Zwinger der Jagdmeute. Damit das Gekläff der Hunde die Herren nicht störte, hatte man die Zwinger ans äußerste Ende der Burg verlegt.
Durch eine hohe Sperrmauer führt ein Torbogen in die "Untere Burg". Das Torhaus ist verfallen, ein Teil des angrenzenden Mauerturms steht noch. Solche Torhäuser waren zwar nach außen stark gebaut, auf der Innenseite dagegen wurden ihre Wände häufig mit Fachwerk aufgeführt. Das hatte seinen guten Grund! War ein solches Tor vom Feind genommen, dann beschoß man es von höher gelegenen Burgtürmen mit Brandpfeilen, damit es in Flammen aufgehe und die in ihm lagernden Waffen, Pech und Schwefel (später auch Pulver) nicht den Stürmenden in die Hände fielen. Zudem wurde der Angriff durch die Brandhitze und die noch lange schwelenden Trümmer für einige Tage sehr erschwert, wenn nicht an dieser Stelle ganz unmöglich gemacht. In der unteren Burg war das Gärtchen. Hier zog man Heil- und Würzpflanzen unter der Aufsicht der Burgherrin. Denn das mußt du wissen, Ärzte und Apotheker und fertige Arzneien gab's vor 500 Jahren nicht auf einer Burg. Der Burgarzt war die Edelfrau und vielleicht auch der Burgkaplan. Sie verstanden es, aus getrockneten Kräutern lindernde Tränke und schmerzstillende Auflagen herzustellen, aus Hirschtalg, Biberfett und toniger Erde heilsame Salben und Wickel zu bereiten.
Von der unteren Burg führt ein Gang nordwärts durch den Burgfelsen hinunter zum Bach. Er wird im Volksmund als unterirdischer Gang bezeichnet, war in Wirklichkeit aber ein riesiger Steinbruch, der sich teif im Felsen viele Meter hoch und weit wölbte.
Von der unteren führt ein schmaler, beiderseits von hohen Mauern eingefaßter Weg zur oberen Burg. Drei Tore, von denen die beiden obersten noch erhalten sind, sperrten früher diesen Zugang. Ehemals war er vollständig überdeckt, so daß man durch einen langen, schmalen, nahezu dunklen Gang zum letzten Tor gelangte. Dieses war zusätzlich durch Fallgatter und Pechnase gesichert. Wie schwer, ja wie aussichtslos wäre hier ein Angriff gewesen! In nahezu völliger Dunkelheit, von beiden Seiten und von oben durch die Verteidiger hart bedrängt, gab es nur unter größten, blutigen Verlusten ein Vorwärtskommen. Überdeckte Torgänge wie diesen findet man bei vielen Städten und Burgen.

Nun sind wir in der eigentlichen (oberen) Burg. Gleich links ragen die hohen Mauerreste eines alten Palas, des sogenannten "Frauenhauses". Der Bau hatte zwei Stockwerke, in denen Prunkräume und Wohnräume des Burgherren und seiner Familie untergebracht waren. Drei Kellergewölbe sind noch erhalten, deren eines eine Warmluftheizungsanlage, wie sie damals aus den Zeiten der Römerherrschaft noch bekannt war, enthielt. Viermal wurden Veränderungen an diesem Bauwerk vorgenommen, zuletzt 1622. Diese Jahreszahl findest du auf einen Trachyt an der rechten Mauerecke in etwa vier Meter Höhe eingemeißelt. Die ältesten Teile dieser Ruine sind sicher 700 Jahre alt.
Gleich rechts im oberen Burghof steht ein hoher siebeneckiger Lugaus. Er ist so alt wie das eben genannte "Frauenhaus".
Gleich rechts im oberen Burghof steht ein hoher siebeneckiger Lugaus. Er ist so alt wie das eben genannte "Frauenhaus".
Auch die dorfwärts liegenden gotischen Erkerhäuser sind stark verfallen. Sie mögen in der Hauptsache Frauengemächer enthalten haben. Von hier aus hat man den herrlichsten Blick auf das liebliche Dörflein mit seiner in den ältesten Bauteilen frühgotischen Kirche.
Hinter den Erkerhäusern lag hofwärts die Burgkapelle. Graf Wilhelm I. (1326-83) erbaute sie 1327. Heute deuten nur noch die Umfassungsmauern die Stätte an, wo einst junges Leben gesegnet, Schwerter geweiht und heilige Schwüre getauscht wurden. Papst Johann XXV. stattete das Kirchlein 1328 mit einem Ablass aus.
Nun betreten wir den geräumigen Burghof. Von den hohen Wehrmauern, die ihn vorzeiten schirmten, sind heute nur mehr geringe Reste vorhanden. Mitten im Burghof war der Brunnen, der seinen Schacht über 50 Meter tief ins Gefels senkte und damit den Wasserspiegel des Baches erreichte. Wegen der Gefahren für unbeaufsichtigte herumspielende Kinder wurde er 1853 zugeschüttet, 1850 war er noch 56 Fuß tief und 10 Fuß weit (1 Fuß = 12 Zoll).
Nun ragt vor dir das bemerkenswerte Gebäude der Ruine, der Bergfried, auf. Eigentlich trägt er seinen Namen zu Unrecht; denn du siehst gleich, daß er ein stark befestigtes Wohngebäude war. Früher wurde er auch als "festes Haus" bezeichnet. Wir wollen ihn Palas nennen. Er wurde wahrscheinlich kurz nach 115 erbaut. 1179 wird bereits berichtet, daß Graf Theoderich von Wied mit seiner Familie in seinem festen Haus in Niederwied - im Gegensatz zu Oberwied, dem ursprünglichen Sitz der Wiedgrafen bei Wiedmühle - wohnte. Obwohl mindestens dreimal an diesem Gebäude bauliche Veränderungen vorgenommen wurden, kann man aus einigen Merkmalen auf sein erstes Aussehen schließen. Zwei wundervoll geschwungene romanische Bogenreihen zierten die Front. Unten war wahrscheinlich eine große Halle, oben der Rittersaal und die Kemenaten. Die Kellergewölbe sind erst viel später eingebaut worden.
Verliese waren das nicht. An der Zinne des Bauwerks sind Scharten und Wehrgang noch gut zu erkennen.
An die obere Burg lehnen sich nach Nord, Ost und Süd verschiedene größere und kleinere Vorwerke an, befestigtge, mit starken Mauern bewehrte Plattformen, die man als Schanzen bezeichnete. Von ihnen schauten Ballisten, schwere Spannbogen und in späteren Zeiten weitmäulige Feldschlangen drohend ins Tal, sandten in Kriegszeiten Verwirrung und Tod in die Reihen der Angreifer.Die Schanzen waren nur von der oberen Burg aus zugänglich. Dank ihrer sicheren Lage auf steil abfallenden Felsen waren sie uneinnehmbar.
Hinter den Erkerhäusern lag hofwärts die Burgkapelle. Graf Wilhelm I. (1326-83) erbaute sie 1327. Heute deuten nur noch die Umfassungsmauern die Stätte an, wo einst junges Leben gesegnet, Schwerter geweiht und heilige Schwüre getauscht wurden. Papst Johann XXV. stattete das Kirchlein 1328 mit einem Ablass aus.
Nun betreten wir den geräumigen Burghof. Von den hohen Wehrmauern, die ihn vorzeiten schirmten, sind heute nur mehr geringe Reste vorhanden. Mitten im Burghof war der Brunnen, der seinen Schacht über 50 Meter tief ins Gefels senkte und damit den Wasserspiegel des Baches erreichte. Wegen der Gefahren für unbeaufsichtigte herumspielende Kinder wurde er 1853 zugeschüttet, 1850 war er noch 56 Fuß tief und 10 Fuß weit (1 Fuß = 12 Zoll).
Nun ragt vor dir das bemerkenswerte Gebäude der Ruine, der Bergfried, auf. Eigentlich trägt er seinen Namen zu Unrecht; denn du siehst gleich, daß er ein stark befestigtes Wohngebäude war. Früher wurde er auch als "festes Haus" bezeichnet. Wir wollen ihn Palas nennen. Er wurde wahrscheinlich kurz nach 115 erbaut. 1179 wird bereits berichtet, daß Graf Theoderich von Wied mit seiner Familie in seinem festen Haus in Niederwied - im Gegensatz zu Oberwied, dem ursprünglichen Sitz der Wiedgrafen bei Wiedmühle - wohnte. Obwohl mindestens dreimal an diesem Gebäude bauliche Veränderungen vorgenommen wurden, kann man aus einigen Merkmalen auf sein erstes Aussehen schließen. Zwei wundervoll geschwungene romanische Bogenreihen zierten die Front. Unten war wahrscheinlich eine große Halle, oben der Rittersaal und die Kemenaten. Die Kellergewölbe sind erst viel später eingebaut worden.
Verliese waren das nicht. An der Zinne des Bauwerks sind Scharten und Wehrgang noch gut zu erkennen.
An die obere Burg lehnen sich nach Nord, Ost und Süd verschiedene größere und kleinere Vorwerke an, befestigtge, mit starken Mauern bewehrte Plattformen, die man als Schanzen bezeichnete. Von ihnen schauten Ballisten, schwere Spannbogen und in späteren Zeiten weitmäulige Feldschlangen drohend ins Tal, sandten in Kriegszeiten Verwirrung und Tod in die Reihen der Angreifer.Die Schanzen waren nur von der oberen Burg aus zugänglich. Dank ihrer sicheren Lage auf steil abfallenden Felsen waren sie uneinnehmbar.
Ein Mauerdurchbruch durch die gewaltigen Fundamente des Palas gewährt dir den Ausgang ins Freie, rasch gelangst du über eine Treppe hinab auf eine schmale Wiesenfläche, den "Mantel". Auf ihm übten sich Herren und Knechte im Hauen und Stechen. die Wagenzüge der Kaufherren fanden hier nächtlichen Schutz vor lichtscheuem Gesindel. Hohe Mauern umsäumten ihn früher, der Torausgang war an der Nordost-Ecke und führte durch eine "Hohl" hinauf auf die Westerwaldhöhen. "Auf den Stühlen" und "Pfauweide" heißen die Namen der Fluren, die er berührte. Diese Namen wollen uns allerlei sagen!
Unser Gang über die Ruine ist beendet. Von denen, die einst hier wohnten, findest du einige Namen auf den Grabplatten im Chor der Dorfkirche, andere fanden in Niederbieber und im Klosterfrieden zu Rommersdorf ihre letzte Ruhestätte.
Unser Gang über die Ruine ist beendet. Von denen, die einst hier wohnten, findest du einige Namen auf den Grabplatten im Chor der Dorfkirche, andere fanden in Niederbieber und im Klosterfrieden zu Rommersdorf ihre letzte Ruhestätte.
















